Dave Clarke, des Teufels Anwalt.

Düster, energetisch, unkonventionell

Nie ohne Eyeliner draussen! Der Mann, der wie ein Saufkumpan von Pete Doherty aussieht, ist kein Goth- oder Rockstar, sondern einer der aufregendsten Dj’s der britischen Inseln.


Düster, energetisch, unkonventionell – das sind die Wörter, mit denen man am besten die Schöpfungen Clarke’s beschreiben könnte. Der Grund liegt wohl darin, dass er nicht ein straighter Technohead ist, sondern zu früheren Zeiten auch HipHop und Acid-House auflegte.

Dave’s Geschichte klingt wie ein modernes Märchen: vom Penner zum Star-Dj. Seine erste CD war ein Album von ‚The Damned’, einer rotzigen Oldschool-Punk-Band. Auch die Musik, die Mutter Clarke als ihre Liebste, nämlich alter Disco-Stuff bezeichnete, inspirierte den jungen Dave.

In dieser Zeit hatte er es besonders schwer: sein Hass auf Autoritäten ging nicht mit den gängigen Erziehungsmassnahmen seiner Eltern und Lehrer konform. Kurzerhand schmiss er die Schule, brannte durch und verbrachte seine Nächte auf diversen Parkbänken.

Doch diese Phase brachte auch etwas Positives mit sich, Clarke hatte Zeit sich mit dem Musik machen auseinander zu setzen und machte seine ersten Schritte in Richtung Dj-ing. Auch auf den Erfolg musste er nicht lange warten – 1988 war sein erster Gig in Amsterdam, zwei Jahre später gründete er mit seiner damaligen Frau das hauseigene Label „Magnetic North“.

Seinen Kultstatus verfestigte er 2001 mit dem von ihm produzierten und gemixten Doppelalbum „The World Service“, bei der sich die eine Disc Electro und die andere dem Techno widmete. Namenhafte DJ’s wie der deutsche ‚The Hacker’ oder DJ Rush waren mit von der Partie. 2004 kam das Album „The Devil’s Advocate“ heraus, mit dessen Namen Clarke seinen dunklen Charakter unterstreichen wollte.

Das machte er auch immer wieder bei Interviews, indem er sehr verschlossen auftrat (und es auch noch immer tut) und nicht darauf achtete, die gängigen Höflichkeitsfloskeln auszutauschen.

Bei der Frage nach seinen Idolen antwortete er, dass er entweder von ihnen zu oft enttäuscht wurde oder sie schon tot sind.
Auch seine frühere Zuneigung zu Punk lässt er durchscheinen, indem er das nicht vorhandene Umweltbewusstsein und die allgemeine politische Ölgeilheit kritisiert.

Clarke versucht das Gefühl zu erwecken, dass er noch immer gerne ein Rebell ist, dass ihn nichts ausser seiner Musik interessiert und dass er ein Faible für die Dunkelheit hat. Bei „The Devils Advocate“ gelingt es ihm, auch beim Hörer ein Gefühl der Unruhe zu erzeugen. Erwähnenswert ist, dass es Clarke im Gegensatz zu vielen wieder mal schaffte, über den Tellerrand zu schauen und Mr Lif, einen etablierten MC zur Zusammenarbeit zu überreden.

2005 haute Dave das lang ersehnte „The World Service 2“ raus, das zwar auch nicht unbedingt unspektakulär war, aber die Hürden, die es vom ersten Teil gesetzt bekam, nicht überspringen konnte. Trotzdem überzeugt er mit spannenden Kollaborationen wie mit den Punks ‚Silicon Souls’.

Derzeit tourt Clarke durch die Welt und stationiert diesen Sommer unter anderem auf dem Nature One Festival in Deutschland, auf dem Creamfields Festival in Spanien, in Portugal und in Holland.

Wer also neugierig geworden ist und einen herausragenden Dj mit interessanter Persönlichkeit sehen will, sollte auf http://www.daveclarke.com/ oder auf seiner myspace-site vorbeischauen. [UP]

Seinen Österreich-Gig sollte man sich also auf keinen Fall entgehen lassen, XXX-Productions holt ihn nach Wien, und zwar ist er am 14. Oktober 2006 im Gazometer zu hören.


by on April 17, 2007

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