Smalltalk mit ENVLOOP-RECORDS!

Envloop-records
Vom Label „envloop records“ ist ja in den letzten Monaten im Partysan – und nicht nur dort – einiges zu hören gewesen. Nicht nur, weil envloop-Mitbetreiber DJ Hillberg ein ehemaliger Partysan-Kollege ist (von 1998 bis 2003 war er sozusagen als Herausgeber „Mr. Partysan Austria und Mr. Partysan England), und uns neuerdings wieder regelmäßig mit kleinen Beiträgen beehrt, ist es Zeit, envloop records mal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Euch zu einem Interview an einen Tisch zu bekommen, ist ja gar nicht so einfach. Ihr seid ja tatsächlich quer über die Welt verstreut: Linz, Salzburg, Bremen, Kiel, Liverpool und New York. Wie funktioniert das eigentlich, lässt sich so überhaupt ein Label machen?
Hillberg (lacht): „Ja, ein bisschen schwierig ist das wirklich. Man braucht viel Geduld, Skype und vor allem einen günstigen Handytarif. Vor mir am Schreibtisch habe ich tatsächlich eine Tabelle aufgestellt, in welchen Zeitzonen unsere fixen artists und Kollegen leben… Relate in Salzburg erwischt du zum Beispiel am besten am frühen Nachmittag, bevor seine Abendschicht beginnt, Mightiness aka Ralph in Kiel am besten am frühen – europäischen - Abend, und ab der Geisterstunde um Mitternacht hast du dann mal eine Chance, unsere envloop-New York-Crew I-Cue und Odyssey zu erreichen. Die sind dann immer ganz frisch und ausgeschlafen, während´s mich dann mal langsam schon ins Bettchen zieht.“
Bei dieser ganzen Internationalität – seid ihr dann eigentlich noch ein österreichisches Label?
Hillberg: „Mir gefällt dazu am besten unser Slogan „The Five Rivers Connection – Donau, Salzach Weser, Mersey und Hudson“. Den eigentlichen Labelsitz haben wir ja in Bremen, obwohl dort seltsamerweise im Moment kein einziger von uns wohnt.“
Relate: „Ich würde mal sagen, envloop ist ein sehr internationales Label, jedoch mit einem starken Österreich-Bezug, der etwa außer über Hillberg und mich als Halb-Österreicher, Halb-Bremer noch über unseren artist derCube und unser Masteringstudio von Roland Schwarz (Etage Noir Rec.), der ja mittlerweile viel mehr tut als nur unsere Tunes zu mastern, einfliesst. Und ganz klar haben wir einen ganz starken Deutschland-Bezug, erst mal auch über unser envloop-Germany Matermind Mightiness, der derzeit in Kiel lebt und arbeitet.“
Mightiness: „Ja, ein echtes deutsch-österreichisch-englisch-amerikanisches Joint Venture. Hier im deutschen Norden, etwa in meiner ursprünglichen Heimatstadt Bremen haben wir für so etwas ja einigen Sinn. Bremen ist eine der deutschen Städte mit der größten Breakbeat- und Drum&Bass Historie, und da war Vernetzung schon immer angesagt. Dass nun Österreich gewissermaßen zweites wirtschaftliches und künstlerisches Standbein von envloop wurde, hatte ich zwar so nicht erwartet, aber ich bin jedes Mal aufs Neue aufs angenehmste überrascht, welche talents Hilmar und Relate da aus dem für mich fernen Süden immer wieder anbringen.“
Relate: „Ich denke aber grundsätzlich, man sollte, gerade als elektronisches Musiklabel, heutzutage nationale oder regionale Kategorien hinter sich lassen: In England oder etwa Brasilien interessiert es zum Beispiel keinen Menschen, ob du aus Meidling, Dornbirn, Oldenburg oder aus Bremen bist. Der Sound ist da alles, was zählt. Und der wird sicherlich interessanter, wenn du dich über die Grenzen hinaus vernetzt.“
Mal zur Geschichte eures Labels. Man hat ja den Eindruck, envloop sei gewissermaßen über Nacht aufgetaucht und wirft nun ständig neue, coole Tunes raus. Dabei, so habe ich gehört, sind ja einige „alte Hasen“ unter euch…
Hillberg: „Ja, ich bin tatsächlich schon ein wenig länger im Music-Biz (lacht) – seit 1982, wenn man´s ganz genau nehmen will. Neben dem Partysan Österreich und UK habe ich etwa so um 2000 auch mein Label D.N.A.-Records betrieben, auf dem etwa Parov Stelar, damals noch als Markus Füreder, seinen allerersten Vinylrelease überhaupt hatte. Auch die Mädels und Jungs, die heute Backlab, beziehungsweise AG Trio betreiben, waren da schon in ihrer Urform mit dabei.“
Dan Barrett aka Frozen Smoke: „Ja, da haben Gary und ich eigentlich auch Hillberg zum ersten Mal kennen gelernt. Das muss 1999 gewesen sein, als Gary und ich bei ISM waren – eine tolle Zeit. Wir fuhren fast direkt von unserem Glastonbury-Gig zu Hilmar zu einem Gig auf einem Bauernhof irgendwo in Österreich – unbelievable! …am nächsten Morgen bin ich unter einer Kuh aufgewacht! Kurz darauf war auch schon mein erster Remix auf seinem D.N.A.-Label draussen. …was natürlich nichts mit der Kuh zu tun hatte… (lacht). Davor hatte ich einiges mit Zion Train gemacht, unter anderem einen Remix für Chumbawamba. Die Tunes mit Zion Train liefen auch immer bei John Peel. Dann kam noch mein eigenes Label „Silicon Hustler“, und dann eigentlich schon envloop – diesmal ohne Kühe…“
Gary Cook aka Kooky: „…an die Kuh kann ich mich gar nicht mehr erinnern – war ich da auch dabei?… naja, wer sich an die 1990ties erinnern kann, hat sie nicht erlebt… (lacht). Aber stimmt schon: Ich habe übrigens all diese Musikteile auf meiner Page www.kookymusic.co.uk.“
I-Cue: „Hier in New York haben Odyssey und ich Hilmar schon Mitte der 1990er kennen gelernt. (Lacht): Wir haben damals sogar einen DJ-Trick nach ihm „The Hilmarish“ genannt, weil er das ewig und immer wieder so gemixt hat. Aber ja: Mein Bruder Rob (Odyssey) und ich waren zusammen mit Joe Bailey (heute FM4) in den 1990ties Crew-member Digital Konfusion NYC; da gab es eine enge Zusammenarbeit zwischen DK-NYC und Zulu Nation. Zu der Zeit haben wir auch auf Carlos Soul Slingers „Liquid Sky“ und „Jungle Sky“ eine Menge released, wo unter anderem auch „A Guy Called Gerald“ released hat. TC Islam und ich gelten ja als die Erfinder des HipStep, einem Mix aus Hip Hop und Drum&Bass, was schon damals dem sehr nahe kam, was heute als Dubstep gehandelt wird.“
Mightiness: „Ursprünglich ist Envloop aus der Überlegung entstanden Relate und mein altes „mightiness-records“ als Label loszulassen und mit dem Mitgliederkern (Relate und mir) neu aufzubauen. Durch die freundschaftliche Beziehung von Relate zu Hillberg wurde ich dann auf Hillberg aufmerksam und habe ihn sowohl musikalisch, als auch organisatorisch kennen und schätzen gelernt.
Ihr habt ja mit bisher zwei Releases auch ganz schön Aufmerksamkeit erregt. Zu euren Supportern gehören Hank Shocklee von Public Enemy, Colin Peters, Donald Glaude, DJ Quincee und die Freesteppaz, aber auch Austro-Legenden wie Wipe Out oder iPunk. Dabei habt ein im Grunde sehr eigenwilliges Label-Konzept…
Hillberg: „Nicht zu vergessen der Support von Etage Noir Speacial und AG Trio, sowie von Just Banks´ Proper Nightlife Rec, und dem Belgrader Label Bonbass Records, die auch wir supporten und mit denen wir eine Art Label-Community am laufen haben.“
Relate: „Ja, unser Konzept ist, dass wir auf unseren Releases verschiedene Styles – von Electrohouse über Dubstep und Dub bis hin zu D&B - derselben Tune draufhaben, was in Zeiten der Online-Industry ja ein bisschen „gegen den Strom“ ist – und übrigens unsere Promo-Partner regelmäßig in den Wahnsinn treibt. Nachdem uns anfangs schon einige Fragen dazu gestellt wurden, erleben wir mittlerweile genau deswegen viel positives Feedback. Wir möchten, dass unsere featured artists ihre künstlerische Freiheit ausleben können. Mein persönliches Vorbild dabei sind dann Leute wie Norman Cook, DJ Hell und Trentemoeller, die ja auch ganz verschiedene Styles pflegen…“
Wie sehen da eure DJ-Gigs dann aus?
Hillberg, Relate: „Idealerweise ganz genau so. Am 6. November im Salzburger Jazz-It gibt´s eine Kostprobe davon. derCube wird ein Electro-Live-Set spielen, Frozen Smoke, Relate und ich werden von Electro bis Breakbeat den Dancefloor rocken. Es gibt für uns nichts langweiligeres als Rave-Events mit vier oder fünf Floors – und überall hörst du genau das Gleiche…“
Relate: „Ich bin ja musikalisch gewissermaßen in London sozialisiert worden. Und da hast du in jedem Club neben dem Techhouse-Floor einen Dubfloor und einen Northern Soul Floor. Ich selbst bin da einfach von straight Beats bis Breaks, D&B und Dubstep flexibel.“
Mightiness: „Da meine große Leidenschaft nach wie Drum and Bass ist, habe ich dementsprechend auch nur Platten aus dieser Stilrichtung, so dass ich nur auf Drum and Bass Events auflege. Ansonsten konzentriere ich mich eher aufs Produzieren und könnte mir in Zukunft auch wieder einen Live-Act vorstellen.“
Mal in die Zukunft geschaut: Derzeit habt ihr ja gerade euren Electro-Burner „MetaAmphetaMine“ draussen – what will be next?
Hillberg: „Ja, „Meta“ ist seit August draußen und läuft ganz gut. Besonders stolz sind wir da ja auf den Remix von James Kininmonth, einem 17-jährigen Liverpooler Musikstudenten, der meiner Meinung nach noch ganz groß rauskommen wird, wenn er so weitermacht- und das wird er.
Anfang Oktober ist „Analogue Activity“ von derCube dran – übrigens mit einem Remix von Etage Noir Star Roland Schwarz; und im November gibt´s dann eine kleine Sensation: „Don´t Stop, Robot!“ der in Wien arbeitenden Vorarlberger Crew Struboskop zusammen mit Österreichs Jazz-Lady Violetta Parisini!
Im Dezember folgt dann mein Track „Music“ featuring keinen Geringeren als TC Islam, dem Sohn von Afrika Bambaattaa, der gleichzeitig gerade mit den Krafty Kuts auf Fingerlickin Rec. an einem Album arbeitet. Es wird, wie´s aussieht, auch einen Remix von Jungle Sky/Liquid Sky Legende und Begründer Carlos Soul Slinger geben, der ja neben seinem Label bereits mit Leuten wie Ziggy Marley, Air Liquide, Afrika Bambaattaa und vielen anderen zusammen gearbeitet hat. Am meisten freut mich dabei, dass wir damit mit Soul Slinger, TC, I-Cue und DJ Odyssey (NYC) die „alte New Yorker Crew“ von 2000 wieder zusammenbekommen: Es gab da ja - nicht zuletzt auch über den Partysan Österreich- damals ein „transatlantisches Bündnis“. So „musste“ ich regelmäßig 5 Kartons mit Österreich-Partysanen nach New York in alle Plattenläden da schicken – die Leute haben sich´s tatsächlich geholt und von Deutsch auf Englisch übersetzen lassen (lacht). Leider ging Jungle Sky/Liquid Sky nach 9/11 so wie eigentlich die Hälfte aller New Yorker electronic music institutions da unter – just zu einem Zeitpunkt, als ein Release von mir zusammen mit I-Cue auf Liquid Sky im Gespräch war. Ich wäre der erste Österreicher da gewesen.“
Dann wünsch ich euch noch viel Erfolg und ich hoffe, dass wir noch öfter von envloop hören werden.
envloop: „Ganz sicher! Und der Partyan ist sicher schon aus alter Gewohnheit der erste, den wir da am laufenden halten werden!“
Links:
http://www.envloop.de/
https://www.beatport.com/de-DE/html/content/release/detail/271015/meta_ampheta_mine_ep
http://www.youtube.com/watch?v=axbHQrYMITk
http://soundcloud.com/envloop-records/hillberg-metaamphetamine-james-kinninmonth-rmx

[...] Hier geht's zu einem Interview mit der Crew von envloop records! Envloop Records http://www.envloop.de/ info@envloop.de Medienkontakt: Hilmar Gamper: partysan@servus.at ; +43/650/9527932 [...]
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